Felix Magath und Frauenfussball

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Felix Magath und Frauenfussball

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Erschienen am 23. Februar 2020 in der Welt am Sonntag

Von Jörg Althoff, Alfred Draxler

Felix Magath ist zurück im Geschäft. Der ehemalige Trainer des FC Bayern soll aus gleich zwei unterklassigen Vereinen Spitzenklubs formen. Zudem steigt er in den Frauenfußball ein. Hier spricht er über seine Pläne.

FLYERALARM Global Soccer - Felix Magath im Interview mit der Zeit

Es war ruhig geworden um Felix Magath (66). Seinen bislang letzten Auftritt als Trainer in der Bundesliga hatte er 2012 beim VfL Wolfsburg, mit dem ihm drei Jahre zuvor sein bislang letzter Titelgewinn gelungen war, die deutsche Meisterschaft. Danach arbeitete Magath 2014 ein halbes Jahr für den FC Fulham, bevor er nach China wechselte, wo er 2016/2017 den Klub Shandong Luneng Taishan betreute.

Und jetzt: Chef von „Flyeralarm Global Soccer“. Die Online-Druckerei gönnt sich, ähnlich dem Vorbild von Red Bull, nun eine Fußballsparte – wenn auch eine Nummer kleiner als beim österreichische Brausefabrikanten. Beim deutschen Drittligaklub Würzburger Kickers und beim österreichischen Erstligaverein Admira Wacker Mödling ist der Investor eingestiegen, was letztgenanntem Klub schon einen neuen Namen einbrachte: FC Flyeralarm Admira. Zudem wird er ein Frauenfußballteam aufbauen.

WELT: Herr Magath, angesichts Ihrer Vita sind wir überrascht: Wie um alles in der Welt sind Sie beim Drittligateam Würzburg und beim österreichischen Abstiegskandidaten Mödling gelandet?

Felix Magath: Ich bin als Head of Global Soccer bei Flyeralarm nun Leiter eines Projekts, nach dem ich im Profibereich immer gesucht habe. Ein Traumprojekt, bei dem jemand die finanziellen Möglichkeiten bereitstellt und ich all meine Erfahrung und meine Expertise einbringen kann. Ich habe als Spieler in der B-Klasse Aschaffenburg angefangen und nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum. Als Trainer startete ich in der vierten Liga in Bremerhaven. Jetzt will ich nicht nur eine Mannschaft oder einzelne Spieler entwickeln, sondern mithelfen, Vereine nach vorn zu bringen.

WELT: Warum gleich zwei auf einmal – und das auch noch in zwei verschiedenen Ländern?

Felix Magath: Wir haben ja nicht nur die Kickers Würzburg und Admira Wacker Mödling, sondern auch Aktivitäten rund um die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Und wir werden auch in Würzburg eine Frauenmannschaft auf die Beine stellen. Darüber hinaus ist angedacht, dass wir uns noch an einem Projekt außerhalb von Europa beteiligen.

WELT: Mit Verlaub: Felix Magath und Frauenfußball – wie passt das zusammen?

Felix Magath: Das stimmt, ich habe mich in der Vergangenheit wenig dafür interessiert. Ich will mich jetzt ja auch nicht als Trainer einbringen – übrigens bei keinem der Klubs. Bei den Frauen geht es im Fußball auch noch mehr um Sport als bei den Männern. Deswegen glaube ich, dass ich mit meinen Erfahrungen auch unserem Frauenteam helfen kann.

WELT: Ist Ihr Projekt vergleichbar mit dem Konzept von Red Bull?

Felix Magath: Ich ziehe meinen Hut vor Dietrich Mateschitz. Hochachtung, was er für den Fußball geleistet hat! Flyeralarm ist ein junges, aufstrebendes Unternehmen, insofern gibt es schon Gemeinsamkeiten mit Red Bull. Aber es hat natürlich nicht diese immense Finanzkraft. Es geht darum, die Vereine durch sportliche Entscheidungen nach vorn zu bringen. Dafür bin ich da.

WELT: Welches Interesse verfolgt Ihr Boss, Thorsten Fischer, dabei?

Felix Magath: Der wirtschaftliche Ansatz steht sicher im Vordergrund, aber die Marke profitiert auch enorm von der Werbekraft des Fußballs. Thorsten Fischer, der Firmengründer und Eigentümer, verfügt übrigens in vielen Bereichen über mehr Fußballverständnis als der eine oder andere Hauptverantwortliche im Profifußball. Mein Ansatz war immer: Ein Fußballverein muss sich – vielleicht nach einer Anschubfinanzierung – selbst tragen. Das gilt es auch hier umzusetzen.

WELT: Die Dritte Liga gilt als Schuldenliga. Hohe Kosten, niedrige Einnahmen. Was muss passieren, um dort profitabel arbeiten zu können?

Felix Magath: Es passt einfach nicht, wie die Fernsehgelder verteilt werden. Ein Großteil der TV-Einnahmen landet ausschließlich in der ersten und zweiten Bundesliga. Dabei lebt die gesamte Branche auch besonders von der Amateurbasis. Wo kommen denn die Nachwuchsspieler her? Von den kleinen Klubs in den unteren Ligen!

WELT: Was sind die Folgen?

Felix Magath: Es gibt inzwischen längst zu wenige junge Spieler in den Topligen, weniger als zehn Prozent in der Bundesliga sind unter 21 Jahren. Und die herausragenden Individualisten in der Bundesliga heißen heute eher – sagen wir – Sancho als Müller, Meier oder Schulz.

WELT: Was schlagen Sie vor, um das zu ändern?

Felix Magath: Meines Erachtens tut der Deutsche Fußball-Bund zu wenig, um den Wettbewerb innerhalb des deutschen Fußballs auszutarieren. Es muss ein Ausgleich geschaffen werden, damit der Wettbewerb bestehen bleibt. Und nicht ein, zwei Vereine so im Vorteil sind, dass die anderen nicht mehr mithalten können.

WELT: Haben Sie eine kreative Idee?

Felix Magath: Eines meiner Lieblingsthemen: Warum werden Gelbe und Gelb-Rote Karten im Profifußball nicht mit einer Geldstrafe seitens des Verbandes belegt statt mit Sperren? Von einer Sperre profitiert der nächste Gegner, von dem Geld vielleicht die Amateurklubs. Ausnahmen müssen natürlich gelten für Rote Karten, brutale Fouls oder Tätlichkeiten.

WELT: Sie sind nun bei einem Unternehmen angestellt, das in den Fußball investiert. Da kommt automatisch das Thema „50+1“-Regel ins Spiel. Wie ist dazu Ihr Standpunkt, dass Investoren keine Mehrheiten an Vereinen übernehmen dürfen?

Felix Magath: Wenn die Bundesligisten im internationalen Geschäft mithalten wollen, werden wir in Deutschland nicht drum herumkommen, diese Regel zu kippen. Sie ist ja mit ein Grund dafür, weshalb englische und spanische Klubs uns überholt haben. Außerdem ist es mittlerweile lächerlich, an den alten Strukturen festzuhalten, aber gleichzeitig Ausnahmen wie Leipzig, Wolfsburg oder Leverkusen zuzulassen.

WELT: Welche sportlichen Ziele verfolgen Sie?

Felix Magath: Mit Durchschnitt und Mittelmaß kann ich nicht leben. Ich wollte schon immer nach ganz oben, wollte schon immer Titel. Ich werde mich nicht begrenzen, und sagen: „Ich bin zufrieden, wenn Würzburg in die Zweite Liga aufsteigt.“ Nein, ich werde alles dafür tun, dass größere Erfolge kommen.

WELT: Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Felix Magath: Thorsten Fischer und ich sind uns einig: Wir machen das so lange, wie es Spaß macht. Und Spaß macht es, solange man erfolgreich ist. Insofern ist mein Vertrag nicht befristet.